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Hinweise und Aussagen über das Bestehen einer Blasmusik in Waldburg im 19. Jahrhundert sind spärlich. Erst ab 1947 gibt es fortlaufende eigene Aufzeichnungen des Musikvereins und ab 1959 eigene der Musikkapelle. Der Pfarrchronik ist nachstehender Text entnommen:
„1836 Den 2 Dez d. J. feyerte Joseph Oettel, Messner und Lehrer dahier sein fünfzigjährigen Dienst. Am Abend zuvor wurde von hiesigen Musik-freunden eine schöne Musik von Blaß Instrumenten gemacht…. Am Tag selbst wurde ein feyerliches Lobamt Gott geweiht; darauf erhielten alle Musikfreunde ein gesundes Frühstück; abends erthönte die Türkische Musik* beym Gastwirth Kronenberger dahier; Die Belustigungen und der Frohsinn dauerten bis in die Morgenstunden; Oettel hat bereits das 71ste Jahr angetrethen. –“
*Türkische Musik: Durch die Einführung der Perkussionsinstrumente (Schlaginstrumente) türkischer Herkunft im 18.Jahrhundert sind erstmals die drei Elemente – Holzblasinstrumente, Blechblasinstrumente und Schlaginstrumente – vereinigt. Dies wurde als „Bande turque“ bezeichnet („Janitscharenmusik“). Die „Türkische Musik“ gilt als direkter Vorläufer unserer heutigen zivilen und militärischen Blasorchester.
Vorstehender Text bildete auch die Grundlage zur Verleihung der Pro-Musika-Plakette am 04.November 1973 durch Landrat Oskar Sailer in der neuen Turn- und Festhalle bei der „Reinhold-Abele-Schule“ am Kohlenberg. Zur Annahme der neuen Satzung des Musikvereins im Jahr 1980 und zu deren Eintragung im Vereinsregister wurde als Gründungsjahr 1838 zugrunde gelegt. Bei der 125-Jahr-Feier, verbunden mit einer Fahnenweihe vom 31. August bis 01. September 1963, wurde ebenfalls vom Gründungsjahr 1938 ausgegangen. Aus der „Pflicht eines Mesmers und Schulmeisters zu Waldburg“ von 1688 ist entnommen: „….item wie auch die Bauernmusik und gewöhnl. Kirchengesang helfen singen“.
In einer pfarramtlichen Urkunde aus dem Jahr 1825 können wir nachlesen: „Als Pfarrer Schmid hier aufzog, wurden von ihm folgende Stücke aus eigenem Vermögen angeschafft und also für die ganz zierdelose und ärmliche Kirche verwendet: 10.) eben dahin eine neue Posaune zu 15 fl.“ In dem Schreiben des Pfarramtes Waldburg vom 10.03.1969 zur Begründung des Alters der Musikkapelle steht im letzten Absatz von Pfarrer und Kamerer Konrad Butscher geschrieben: „Vom alten Bürgermeister Loritz, hier, ehemaliger Dirigent der hiesigen Musik, weiß ich, dass schon lange vor dem 70-ziger Krieg (1870) hier im Gottesdienst mit Unterstützung der Blechmusik so genannte „Figurierten Messen“ aufgeführt wurden“. In den Niederschriften des Klosters Weingarten finden wir folgenden Vermerk: „Zum Dank für Ihr Kommen zum Blutfreitag wurden im Jahre 1844 die „Waldburger“ von Weingarten umsonst bewirtet, wie auch in diesem Jahr Musikgesellschaften kamen aus Amtzell, Wasserburg, Hart bei Bregenz, Brochenzell, Laimnau, Haisterkirch, Diepoldshofen und Bodnegg“. Dazu ein Ratsprotokoll von Altdorf vom Mai 1844: „Den Waldburgern soll jedem 24 Kreuzer zur Verzehrung angewiesen werden“. Seit Gründung der Bürgerwehr Waldburg (28.03.1948) ist die Musikkapelle auch Bestandteil der Bürgerwehr.
So kann auch für Waldburg wie vielfach in der Gegend gelten, dass Musikgruppen vor allem bei kirchlichen Anlässen aufspielten und sich daraus dann die heutigen Musikkapellen entwickelten. In der damaligen Zeit (1825-1860) wurden Ventile für die Blechblasinstrumente erfunden; damit war die Möglichkeit gegeben, Töne in chromatischer Folge zu erzeugen. Nunmehr konnten alle vorhandenen Melodien gespielt werden, die Blasmusikbewegung setzte ein; sie fand nicht nur Eingang bei den Liebhabern, sondern wurde wichtiger Bestandteil aller örtlichen Feste und Feiern, wurde tragende Säule des kulturellen Lebens in Dörfern und Städten.
Die neue Pfarrchronik beginnt erst mit dem Amtsantritt von Pfarrer Emil Wahr im Jahr 1912, so fehlen für Ereignisse und Feste in den davor liegenden Jahren Aufzeichnungen.
Der ehemalige Musikant Baptist Rapp, Feld, gab an, dass er 1918 zur Musikkapelle Waldburg kam. Das Blasen seines Tenorhorns habe er bei Benedikt Steinhauser im Thalhäusle (heute Haus Riedter, Maiertal) gelernt. Die Proben seien damals im „Becka“ abgehalten werden. Bei Auftritten sind die jungen Musikanten in grauer Kleidung zwischen den älteren in der Bürgerwehruniform mitmarschiert. Als Kopfbedeckung dienten Soldatenmützen.
1922 verließ er mit weiteren 5 Musikanten (Josef Geng, Franz und Georg Wetzel, Baptist Linder und Johannes Weller) die Waldburger Musikkapelle wieder, als nach Errichten der Filialpfarrei Hannober dort eine eigene Musikkapelle gegründet wurde.
Das Probelokal war um 1925 im Erdgeschoß des Rathauses. Daneben wohnte der Vorstand Josef Jung („Postjung“). Es verging keine Probe, ohne dass die Musikanten zum Fenster hinaus dem Vorstand zuriefen, dass sie Durst hätten. Manchmal sei dann tatsächlich Bier im Fässle gekommen. Das Probelokal wurde dann später wieder in den Tanzsaal im „Becka“ verlegt. Die Inflationszeit (1931) war eine harte Zeit. Aus Waldburg wird überliefert: Bei einem Blutfreitag haben die Waldburger und Karseer Musikanten beim „Köpff“ in Weingarten zu tief ins Glas geschaut. Jedenfalls konnten sie nicht bezahlen, denn das Geld hatte ja kein Wert. Beide Kapellen mussten daheim dann bei den Bauern herumfahren und Gerste sammeln, um das Bier zu bezahlen zu können. Es soll ein Mühlwägele voll mit „Braugerste“ gegeben haben.
Die Waldburger Musikkapelle machte um 1930 einen Ausflug nach Rorschach in die Schweiz. Auch bei Anlässen des fürstlichen Hauses in Wolfegg wurde in den 20- und 30-iger Jahren schon aufgespielt. Im Kassenbuch ist vom Fürst in Wolfegg ein Betrag vermerkt.
Es wird weiter berichtet, dass zu Beginn des Dritten Reiches die Musikkapelle gezwungen wurde, SA-Uniformen zu tragen, somit hatten sie 2 bis 3 Auftritte im Braunen Hemd. Zwischen 1934 und 1937 wurde die Musik mit der Bürgerwehr auf Lastwagen nach Stuttgart (Rotebühlkaserne) befördert und auf den Führer vereidigt. Der damalige aktive Musikant und spätere Vorstand Anton Weiß erinnert sich, dass er danach auf Geheiß seines Vaters nicht mehr mitspielen durfte.
Am 8. Juli 1934 nahmen die Musikkapelle Waldburg und Hannober getrennt an Wertungsspielen in Ravensburg teil. Zum großen Erstaunen der Waldburger – sie konnten es nicht fassen – errangen die Hannober eine höhere Punktzahl als sie selber! Weil aber „nicht sein kann, was nicht sein darf“, begann man eine eifrige „Quellenforschung“, um möglichst plausible Erklärungen für das schlechtere Abschneiden zu finden. Man wurde rasch fündig, fand aber bei sich selbst kaum einen Schuldigen, außer – vielleicht – den Posaunenbläser, der während des Spielens aus seinem Instrument Wasser abließ und damit aussetzte. Dagegen erschienen andere Verdachtsmomente viel gravierender. Benedikt Steinhauser junior nämlich spielte bei beiden Kapellen mit und könnte zusammen mit den Hannoberern ein wenig besser geblasen haben. Noch besser blasen können hätte sicher auch der Dirigent von Hannober, Fidel Wetzel, der in der Waldburger Kapelle Flügelhorn spielte. Und dass er bessere Beziehungen zum Wertungsgericht hatte als die Waldburger, lag auf der Hand. Auf jeden Fall errang die Musikkapelle Hannober mit 127,5 Punkten einen 1a-Preis in der Unterstufe. Voller Stolz vermerkten sie in ihrem Protokollbuch: „Weit im Umkreis war keine Kapelle, die diese Punktzahl erreichte“. Bis spät in die Nacht wurde daheim der Sieg begossen.
Als Josef Jung 1934 die Rechnertätigkeit bei der Spar- und Darlehenskasse Waldburg übertragen wurde, war er somit noch Postagent, Uhrmacher, Vorstand und Kassier einer Wassergruppe und Vorstand und Kassier des Musikvereins Waldburg. Das war ihm dann sicherlich zuviel, so dass er 1937 die beiden letztgenannten Tätigkeiten abgab. Musikvorstand wurde danach Albert Roth und Kassier ab 23. Januar 1937 der aktive Musikant Karl Niedermaier, Frankenberg.
Über Aktivitäten der Musikkapelle bzw. des Musikvereins während der Kriegsjahre bestehen keine schriftlichen Aufzeichnungen.
Chronik von 1945 bis 1958
Am 28. April 1945 wurde Waldburg von einer französischen Panzerabteilung besetzt. Durch einen Beschluss des Alliierten Kontrollrats wurden in Deutschland nach dem Zusammenbruch sämtliche Vereine aufgelöst. Anfang 1946 musste der damalige Landrat Bendel in Ravensburg eine Verfügung der französischen Besatzungsmacht bezüglich der Wiederherstellung des Vereinsrechts an die Gemeinden weitergeben. Es war jedoch nur ein Verein zugelassen, der alle kulturellen Interessen der Gemeinde vertreten sollte. So wurde dann am Sonntag, dem 2. März 1947, im Gasthaus „König Wilhelm“ die Gründungsversammlung des Musik- und Gesangvereins abgehalten. 105 ehemalige Mitglieder gründeten damals den neuen Verein. Bürgermeister Abele leitete als vorläufiger Vorsitzender diese Zusammenkunft. Er las die vom vorläufigen Ausschuss ausgearbeiteten Satzungen gemäß der Verfügung Nr. 22 vom 12. Dezember 1945.
Da jedoch einige Herren Mitglieder der Partei waren, konnten sie dem Direktionsausschuss nicht angehören. Deshalb stellte sich Josef Kibele, Bauer in Sieberatsreute, als Vorstand des Gesamtvereins zur Verfügung. Er wurde in geheimer Abstimmung gewählt. Stellvertreter wurde Bürgermeister Abele. Die aktiven Mitglieder der Kapelle wählten einstimmig ihren bisherigen Dirigenten Josef Weber wieder, ebenso den langjährigen Kassier Hans Jung. Es wurde auch eine Wiedergründung des Kriegervereins – zeitweise gab es zwei Kriegervereine – besprochen. Aus der Vorkriegszeit waren noch zwei Fahnen, eine alte Veteranenfahne mit der Jahreszahl 1866 und die 1921 geweihte Kriegervereinsfahne vorhanden. Letztere hatten die Franzosen jedoch 1945 beschlagnahmt. Bürgermeister Abele lehnte die Wiedergründung ab. Er hatte die Kriegervereinsfahne aus Ravensburg zurückgeholt und ließ sie nun zur Gesangsvereinsfahne umgestalten. Vier Tage nach der Gründungsversammlung des Musik- und Gesangsvereins, am 6 März 1947, wurde beim Landratsamt Ravensburg schriftlich um die Genehmigung des Vereins durch die Militärregierung gebeten. Am 14. März wurde über den Landrat dem Vorstand mitgeteilt, dass der Verein berechtigt sei, ab 15. März 1947 seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Diese Angaben fanden am 1986 in den Unterlagen des vormaligen Musik- und Gesangvereins, die Xaver Kibele (Gemeindepflege von 1947 – 1981) verwahrt. Ein Bericht muss an jedem Monatsende vorgelegt werden. Er muss Tage, Uhrzeit und Ort der Proben sowie die Titel der einstudierten Stücke enthalten.
Es zeigte sich jedoch schon bald, dass die Zusammenlegung von Musik- und Gesangverein Differenzen verursachte. So erschien bei der ersten ordentlichen Generalversammlung am 1. Mai 1948 die Musikkapelle nicht, ebenso Vorstand Josef Kibele. In dieser Versammlung, die dann der 2. Vorstand Reinhold Abele leitete, wurde bereits wieder die Frage diskutiert, ob die beiden Vereine getrennt werden sollten.Über Aktivitäten der Musikkapelle aus dieser Zeit liegen nur spärliche Aufzeichnungen vor, da der Schriftführer des Gesamtvereins, Dentist Felix Joos, Mitglied des Gesangvereins war. Am 17. Oktober fand ein Herbstkonzert statt. Am Stefanstag gestalteten Musikkapelle, Männerchor und dessen Theatergruppe im Kronensaal eine Weihnachtsfeier. Die Einnahmen dieser Veranstaltung wurden zu gleichen Teilen an die drei genannten Gruppen verteilt. Ostflüchtlinge hatten freien Eintritt. Die Waldburger Bevölkerung hatte durch Abgabe von Schlachthühnern ermöglicht, dass den Ostflüchtlingen eine Weihnachtsfreude in Form von Braten, Backwerk und Geld gespendet werden konnte.
Im Jahr 1949 beteiligte ich die Musikkapelle und der Spielmannszug wieder regelmäßig am Blutfreitag und am Rutenfest. Der spätere Vorstand Anton Weiß feierte am 15. Juli 1948 die erste Musikantenhochzeit nach der Währungsreform. Aus dem Jahr 1949 ist ein Sommerfest mit Musiker- und Sängertreffen am 7. August erwähnenswert.
In der Generalversammlung am 20. Januar 1950 übergab der langjährige Dirigent und zeitweilige Vorstand Josef Weber aus gesundheitlichen Gründen das Dirigentenamt an Fidel Wetzel ab und wurde zum Ehrendirigent ernannt. Der Schriftführer berichtete, dass Musikanten und Sänger, teilweise gemeinsam, 22mal ausgerückt waren. Die Musikanten bekamen blaue Mützen beim Ausrücken in Zivil, da sie nur eine Bürgerwehruniform hatten. Bei Auftritten ohne Bürgerwehr stand bisher keine Uniform zur Verfügung, am weißen Sonntag 1948 wurden ausnahmsweise Frack und Zylinder getragen.
Der Bericht der Generalversammlung von 1951 enthält Angaben über die Größe des Vereins: Er bestand zu diesem Zeitpunkt aus 137 Mitgliedern, darunter 20 Musikanten.
Besondere Ereignisse im Jahr 1952 waren die Beteiligung der Kapelle am landwirtschaftlichen Bezirksfest in Ravensburg, wo auch die Gemeinde mit einem Festwagen vertreten war. Weiterhin sind die Teilnahme beim Musikfest in Bodnegg und ein zweitägiger Ausflug nach Schliersee erwähnenswert, der unter ungünstigen Bedingungen stattfand: Man fuhr trotz Regens mit einem Lastwagen, der wegen Treibstoffmangel streckenweise auch noch geschoben werden musste. Eine Weihnachtsfeier fand in diesem Jahr wegen Maul- und Klauenseuche nicht statt.
Auch aus den folgenden Jahren gibt es nur wenige Aufzeichnungen: 1954 bestand die Kapelle aus 17 Musikanten, die insgesamt 19 Auftritte in der Öffentlichkeit hatten. Nennenswert ist die Teilnahme am Bürgerwehrfest in Hechingen, am Kreismusikfest in Vogt mit Festwagen und an der 300-Jahrfeier in Neutrauchburg mit Bürgerwehr.
Am 20. August 1955 starb im 83. Lebensjahr Bürgermeister i. R. und Ehrendirigent Karl Loritz, der schon vor dem 1. Weltkrieg Dirigent war und sich nach Kriegsende sehr bemüht hatte, die Musikkapelle wieder zusammenzuführen. Auch als Bürgermeister setzte er sich für die Belange der Musik ein. Das Osterkonzert wurde in diesem Jahr als Doppelkonzert mit der Musikkapelle Hannober gestaltet.
Bemerkenswerte Termine waren außerdem das 20-jährige Pfarr- und 25-jährige Priesterjubiläum des Ortsgeistlichen Konrad Butscher sowie die Einweihung des neuen Schulhauses. Die Kapelle bestand aus 14 Musikanten und 2 Zöglingen. Es wurden Aushilfen aus Hannober eingesetzt.
Aus dem Jahr 1956 ist nur festgehalten, dass das Herbst-konzert wegen des Aufstands in Ungarn entfiel.
1957 stand die Wahl des Dirigenten an. Es fand eine Abstimmung über die Kandidaten Steinhauser und Papert statt, die zugunsten von Benedikt Steinhauser ausfiel.
In der Generalversammlung am 20. Januar 1958 wurde auf Anregung von Vorstand Hugo Kohler wiederum die Trennung der beiden Vereine diskutiert. Ehrendirigent Josef Weber lobte die gute Zusammenarbeit zwischen Musik- und Gesangverein, sprach sich aber trotzdem für eine Trennung aus. Die geheime Abstimmung führte dann zu folgendem Resultat: 61 Mitglieder befürworteten die Trennung, 2 waren dagegen und 3 enthielten sich der Stimme. Hugo Kohler wurde zum Vorstand des Gesangvereins und Josef Weber zum Vorstand des Musikvereins gewählt. Der Verein bestand zu diesem Zeitpunkt aus 21 aktiven Musikanten, 19 Sängern und 81 passiven Mitgliedern. Am 20. Januar 1959 wurde dann der aktive Musikant Otto Miller, Kohlhaus, zum Schriftführer gewählt. Seither bestehen nun lückenlose Aufzeichnungen über die Aktivitäten des Musikvereins und der Musikkapelle.
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